2.12.: BERLIN DISKRET @ Nikoraus / Tommyhaus

flyer Berlin Diskret Tommyhaus

Am Samstag, 2. Dezember, rockern die BERLIN DISKRETIS aufs Neue! Bei Niko Raus im Tommyhaus. Achtung, die Chose startet früh: Einlass um 20 Uhr, Konzertbeginn um 21 Uhr. Es treten auf, in dieser Reihenfolge: Einkauf Aktuell, Toylettes, Berlin Diskret, Erotic Devices, Gulag Beach. Kommt alle!

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30.11.: BERLIN DISKRET mit den SWORN LIARS @ Cortina Bob

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„Yeah! Wir spielen mit den SWORN LIARS! Am 30.11. im Cortina Bob!“ Don Lotzo ist begeistert. „Die SWORN LIARS! Was ne geile Band!“, schwärmt Herr Bottrop und schaut sehr verträumt. „Geil. Was heißt eigentlich geil?“ Asphalt Tiger grübelt. „Ich brauche mehr Fakten! Was heißt das: geil!?“

Die BERLIN DISKRETIS sitzen auf ihrem Bandsofa, das sie sich für lange Diskussionen angeschafft haben, und gucken sich fragend an. „Supergeil vielleicht?“, schlägt Schmelzi Käsefaust nach einer längeren Pause vor. Nur mühsam kann er seinen Unmut verbergen. Das Bandsofa ist schon ganz schön durchgesessen. „Denkbeulen“, sagt Don Lotzo dazu. Er hasst diese Diskussionen. „Ich hab‘s!“, deeskaliert The Artist formerly known as Metal Warrior und springt hoch. Schnell hat er die wichtigsten Rocklexika und Diskographien aus der großen BERLIN DISKRET-Bibliothek in der dunkelsten Ecke des Proberaums zusammengesucht. Die Glasplatte des Bandsofatischs biegt sich unter dem Gewicht.

„Sworn Liars, Sworn Liars, Sworn Liars, hmhmhm …“ Die DISKRETIS durchforsten ein Rocklexikon nach dem andern. „Muss wohl ein absoluter Geheimtipp sein“, frotzelt Asphalt Tiger. „Ist halt Underground!“, grinst Don Lotzo. „Noch nicht mal Siegfried Schmidt-Joos kennt die!“, staunt The Artist formerly known as Metal Warrior, als er den letzten Wälzer zuklappt.

„Kinders, so kommen wir hier nicht weiter!“ Herr Bottrop schaut auf die Uhr. – „Moment, Moment, Moment!“ Don Lotzo kramt schon seit geraumer Zeit in seiner geräumigen Manteltasche. „Jetzt hab ich‘s!“ Er wirft eine total zerlesene Schwarte auf den Bandsofatisch.

Die BERLIN DISKRETIS gucken das Ding staunend an, während der Staub sich langsam legt. „Boah! Ist das original?“ – Don Lotzo nickt langsam und würdevoll. „Kann ich mal anfassen?“ Das Ding hat keinen Einband mehr, und auch die Titelseite ist rausgerissen. Auf die völlig zerfledderte erste Seite hat jemand mit großem Filzer „1977“ draufgeschrieben. Andächtige Stille. „Wo hast du das denn her?“, flüstert Schmelzi Käsefaust. „Geheim.“ Don Lotzo kann schweigen. Jetzt befeuchtet er einen Finger und blättert sich durch die Seiten der Musikgeschichte. „S – Sch – SWORN LIARS! Hier haben wir sie doch!“ Alle lauschen mit angehaltenem Atem, während Don Lotzo laut aus dem Buch vorliest:

It seems the world of rock n roll will never be rid of the Moorat Fingers. Right after disbanding many of the members formed the Shakin’ Nasties and then when that was done they moved on to form the ultimate in German punk rock n roll, The Sworn Liars. Back are the gravelly vocals, creepy lyrics, scary guitar licks, and deep thunder of drums. It’s all back mixing several different sounds to recreate themselves as the Sworn Liars they do not hold back, every song is a sonic assault to your senses.

Asphalt Tiger linst ihm über die Schulter. Er kann es kaum glauben, aber hier steht es Schwarz auf Weiß: „Gibt‘s seit 2005. Kommen aus Bremen. Plattenfirma: High Noon & Big Neck Records. Haben sogar eine Bandcamp-Seite!“ Er nickt äußerst zufrieden: „Das nenne ich eine solide Faktenlage.“ – „Und? Was haben wir dir gesagt!“ Die anderen DISKRETIS schauen den Asphalt Tiger triumphierend an. „Die SWORN LIARS sind supergeil !!!“

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BERLIN DISKRET & SWORN LIARS * * * Do., 30.11., 19:30 (Show starts early !!!) * * * CORTINA BOB, Wiener Str. 34, 10999 B-Kreuzberg

 

Berlin Diskret auf dem Drugstore/Potse Festival, 14.9.

Die Bundesrepublik im Sommer 2017. Überkommene Vorstellungen von jugendkultureller Subversion und staatlicher Repression müssen überdacht werden. Kackt der konformistische Nachwuchs der Republik extremistisch ab? Zerfällt unsere Ordnung durch Haschbrüder in Uniform? Gibt es noch Hoffnung für die Jugendlichen, die trotzdem anders sein wollen? Die Antwort vorweg: Ja. Auf dem großen Drugstore-Potse-Festival vom 14. bis 16. September 2017. Mit: Berlin Diskret (und vielen anderen).

Hamburg, im Juli 2017. Junge Polizistinnen und Polizisten aus Berlin rebellieren gegen die menschenunwürdige Unterbringung in Flüchtlingsunterkünften: Wow! Mit Saufen, lautem Singen und schlechtem Sex. „Partypolice!“ Wenige Tage später – die Weltöffentlichkeit blickt auf die Führungspersönlichkeiten, die sich, im feinen dunklen Zwirn gekleidet, um die im knalligen Rot leuchtende Kanzlerin scharen –, haben sie kein Bock mehr auf Autorität. Befehle der Chefs werden ignoriert: massenhafte Krankschreibung, Blaumachen, Absentismus. Diejenigen, die im Dienst bleiben, reagieren mit Befehlsverweigerung und spontanen Arbeitsniederlegungen. Was ist los: Partypolice – die neuen Spontis?

Baden-Württemberg, im August 2017. In der wärmsten Region der Republik, ganz im Südwesten, wo die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden wurde, zeigt sich ein vollkommen anderes Bild. Junge Leute werden aus Vereinsheimen in Handschellen abgeführt: vom Tennisplatz, der Kegelbahn, dem Ruderklub. Vereinsmeierei sei extremistisch. Manchen gelingt es, in letzter Sekunde Vereinspokale und Vereinswimpel das Klo runterzuspülen. Beamte, die unverrichteter Dinge abziehen, nehmen sich im Anschluss einige Jugendliche vor, die im Licht der Abendsonne am Dorfweiher angeln, und beschlagnahmen ihre Futterschleudern. „Zwillen – Mordwerkzeug! Abführen!“ Angeln sei extremistisch. Bis Dienstschluss ist noch eine halbe Stunde Zeit. Flugs werden einige St. Georgs-Pfadfinder vom Lagerfeuer weg verhaftet: Pfadfindermesser – extremistisch!

Eine Umwertung der Werte. Der Altpunk atmet auf, als er nach Berlin schaut. Hier ist die Welt noch in Ordnung, denn das Geschäft geht weiter wie bisher.

Berlin, im September 2017. Theaterstätten werden in Volksbühnen umgewandelt, Varieté und Tingeltangel für die Gäste aus Westdeutschland erleben eine neue Blüte. Die Leute wollen was zu sehen kriegen: Tanztruppen, Beinemädchen, Sopräne. „Die Blaumanntruppe“ heißt eines der beliebtesten Ensembles der Hauptstadt, der Schlager der Saison heißt „Fliesenlegerpolka“. Pinkepinke! Kultur spült Geld in die Kassen! Die Mieten steigen.

„Ganz Berlin tanzt auf Tempelhof“, berlinert die neue Volksbühne. Tanzen im Freien: Berlin braucht kein Dach überm Kopf?

Nachdem das Haus Potsdamer Straße 180, in dem das Selbstverwaltete Jugendzentrum Drugstore und die Potse seit 45 bzw. 38 Jahren ihre Räumlichkeiten haben, aus dem Eigentum der Stadt in Privatbesitz überging, läuft der Mietvertrag beider Zentren Ende des Jahres aus; laut Bezirksamt gibt es keine Ersatzobjekte.

Die Existenz beider Zentren – und damit unkommerzieller Freiräume für Jugendliche – ist bedroht: „Seit 1972 organisieren wir uns selbstverwaltet, ehrenamtlich und leisten seitdem unersetzliche Jugendarbeit im Bezirk und in der Stadt“, schreiben die Leute vom Drugstore.

Es ist ja wohl klar, dass Drugstore und Potse unbedingt erhalten werden müssen. Nicht nur, damit die Jugendlichen weiter tanzen können, sondern vor allem, weil Selbstverwaltete Jugendzentren dazu beitragen, dass aus den Jugendlichen mal was Ordentliches wird – richtige Punx zum Beispiel! – und sie nicht, wie etwa die Hamburger Acidpolice und die Schwarzwälder Vereinsmeier, Angler und Pfadfinder, in unkontrollierbare Subkulturen und terroristische Parallelwelten abdriften.

Die Bundesrepublik im Jahre 2017: eine seltsame Gesellschaft! Aber wir geben die Hoffnung nicht auf!

Kommt alle zum großen Potse/Drugstore Festival!

Donnerstag, 14.9.: „Berlin Diskret“ (Punkrock aus Berlin), „Ach was…!“ (Punkrock aus Berlin), „Eat my fear“ (Punk), „Alltagsdasein“ (Möchtegernpunk aus Berlin) + more tba.

Freitag, 15.9.: „Frei Schnauze“ (Politcore, HC-Punk aus Berlin), „Bambi Slaughter“ (Grunge, Noise, Stoner aus Berlin), „Skrts“ (Grunge, Noiserock aus Dortmund), „Gulag Beach“ (Punkrock aus Berlin), „Eskapad“ (Melodic Punkrock aus Arnstadt), „Arsen“ (Rock aus Berlin), „Berlin Blackouts“ (Punkrock aus Berlin), „Totenwald“ (Dark Punk aus Berlin), „Blinker Links“ (Punkrock aus Berlin) + more tba

Samstag, 16.9.: „Sick of Society“ (Punkrock aus Ulm-Augsburg), „Hamburger Abschaum“ (Punkrock aus Hamburg), „Pommes oder Pizza“ (Punk aus Berlin), „Noten Idioten“ (Punk aus Oebisfelde), „Abbruch“ (Punkrock aus Gosen), „Cut my Skin“ (Punk aus Berlin), „Hausvabot“ (Pogopunk aus Berlin), „Lés Pünks“ (Punk mal anders aus Witzenhausen) + more tba.

Mixdown mit Nene

(Au weia! Als die BERLIN DISKRETIS aus dem Sommerurlaub nach Hause kamen, haben sie gemerkt, dass sie ihren Bericht über ihre spannenden Studioerlebnisse gar nicht auf den Blog gestellt hatten. Das Blatt Papier lag immer noch auf dem Schreibtisch rum …)

„Okay! The Overdubs are finished! Let‘s meet tomorrow morning to mix it down! Then we will be FRESH again!“ Nene freut sich, das Tagwerk ist vollbracht, draußen ist es Nacht. Die fünf BERLIN DISKRETIS sind überrascht und schauen sich fragend an. Nene Baratto is a Morning Guy. Morning means for him: 9 O‘Clock! Die BERLIN DISKRETIS erschrecken sich: So früh! And fresh!? – „Yesss!“

Am nächsten Tag wachen alle langsam auf und klopfen an die Tür vom Big Snuff Studio, das bereits in blendend hellem Sonnenlicht liegt. „Want some Coffee?“ – „No!“ Die Raubtiere im Käfig: müde. Das Mixingroom-Sofa: sehr bequem. Dann wacht einer nach dem andern wieder auf und streckt den Finger in die Luft und mischt sich ein in den langwierigen Mischingprozess: „More vocals!“ – „Can I hear the cut&paste guitar of our outwards guitarplayer?“ – „The Ginger Mio Mio Mate is the best invention of late capitalism in the last 20 years!“ – „More ekkkko on the drums, please!“ – „Did you guys have breakfast already?“ – „Where‘s that Hisssss and Hummmmm coming from?“ – „That really rocks well!“

Die Stunden dehnen sich. Die Sonne taucht den Hinterhof vom Big Snuff Studio Ecke für Ecke in erbarmungsloses Sonnenlicht, bevor sie langsam weiter um die Erde wandert. Die Gardinen vor den offenen Studiofenstern bewegen sich nur zaghaft, und um die Mittagszeit legt sich auch das letzte Lüftchen. Von draußen klingen die Klänge vom ländlichen Weißensee in das Studio: das Hämmern der Handwerker, das Röhren von Auspuffen, das Schlurfen eines einsamen Tunichtguts. Die BERLIN DISKRETIS nehmen von all dem nichts wahr: Gebannt lauschen sie auf das Knistern des Tonbands, die Töne, die sie darauf erzeugt haben, und die sicheren Zauberbewegungen, mit denen Nene Baratto sie zum Erklingen bringt. Eine DISKRETI-Perle nach der anderen bringt Nene zum Glänzen, zum Leuchten, zum Strahlen: „Nene, your work is amazing!“ – „Incredible!“ – „Fabulous!“ – „It‘s magic!“

„Yesss!“ Nach acht Stunden härtester Arbeit sind alle dreizehn Stücke fertig und sicher abgesaved im Kasten. „Mixed down!“, deklariert der Zaubermeister sachlich und klickt ein Gerät nach dem anderen aus, das sich mit sattem Schmatzen aus seinem Tätigkeitsbereich verabschiedet. Sorgfältig verhüllt er die Gerätschaften mit blickdichten Tüchern. The Artist formerly known as Metal Warrior hebt einen winzigen, weißen USB-Stick feierlich in die Höhe, so dass es alle sehen können: „Da sind alle unsere Mixe drauf! Fühlt sich gut an!“ Die anderen DISKRETIS staunen das Ding sprachlos an, bevor Metal Warrior es in seiner engen Metallhosentasche verschwindet lässt. – „Mein lieber Scholli! Pass bloß gut darauf auf, du!“, warnt Don Lotzo.

„Thank you, Nene! You‘re a magician!“ Draußen auf der Straße vor dem Big Snuff Studio schütteln die BERLIN DISKRETIS dem Mixmaster dankbar die Hand, und lange noch winken sie ihm nach. Erst jetzt merken sie ihre Erschöpfung. Seltsam: Eben waren sie noch am Machen und Tun, und nun soll alles so plötzlich vorbei sein? „Ja, dann …“ – „Jungs!“ – „Also …“ Eigentlich könnten sie sich schon längst voneinander verabschiedet haben, doch sie zögern den Abschied raus, solange es geht. „Und? Wo fährst du in den großen Sommerferien hin?“ – „Yesss! Endlich mal wieder richtig ausschlafen!“ – „Ich schreib dem Auswärtsgitarristen eine Postkarte, wie es im Studio war!“ – „Grüß ihn von mir!“ – „Nimmst du was zum Lesen an den Strand? Echt?“ – „Wann sind denn eigentlich alle wieder da?“ – „Mitte August.“ Fast vier Wochen lang werden sich die DISKRETIS nicht mehr sehen: unfassbar, nach all dem, was sie in den letzten Tagen und Wochen gemeinsam erlebt haben. Langsam schlurfen sie den Gehweg entlang.

An der nächsten Straßenkreuzung bricht The Artist formerly known as Metal Warrior den Bann: „So, Jungs! Ich hole mir jetzt hier ein Fischbrötchen! Sonst sterbe ich noch vor Hunger!“ – „Okay!“ – „Ich glaube, ich jogge jetzt nach Friedrichshain!“, verkündet Schmelzi Käsefaust und trippelt los. Asphalt Tiger freut sich schon auf Spaghetti mit Tomatensoße. „Hasta el diá, Amigos!“ Don Lotzo schwingt sich auf sein Fahrrad und klingelt zum Abschied mit der Fahrradklingel, dann fährt er zur Show ein paar Schlangenlinien und guckt zurück, ob alle gucken.

Sommerferien: Ist doch wunderschön! Die BERLIN DISKRETIS freuen sich schon auf ihr Wiedersehen. Und auf ihr Konzert auf dem großen POTSE / DRUGSTORE-Festival im September!

Berlin Diskret: Aufnahmen im Big Snuff Studio

„Hi Guys! How you‘re doing?“ – „Fein!“ – „Fein!“ Einer nach dem andern trudeln jetzt die BERLIN DISKRETIS ein. Nene Baratto schüttelt jedem die Hand; er ist schon seit zehn Uhr morgens da. Nene ist ein Morgenmensch. Nene ist ein Mastermind. „Na!?“, sagt Asphalt Tiger, als er den Recording Room betritt. The Artist formerly known as Metal Warrior hat sein Schlagzeug schon aufgebaut. Don Lotzo kommt rein, stöpselt seinen Bass ein und haut drauf: „Amtlicher Sound!“ – „Yesss!“ Asphalt Tiger holt seine Gitarre aus der Tüte (erst mal geradebiegen) und versucht, das Knäuel seiner Kabel zu entkutzeln. „Sechs Meter reinster Wahnsinn!“ The Artist formerly known as Metal Warrior eilt ihm zu Hilfe, Handkantenschlag: „Gordischer Knoten! Ganz einfach!“, erklärt er gelassen.

Bei BERLIN DISKRET hilft einer dem andern! Don Lotzo schraubt die beiden Bleche der Hi-Hat am Schlagzeug von The Artist formerly known as Metal Warrior mit Schraube und Mutter fest zusammen: „Damit das richtig scheppert! Wie bei den RAMONES! 1977.“ Herr Bottrop stellt seinen Miniamp aufs Podest und dreht die Regler auf: „Fertig!“ Schmelzi Käsefaust ruft auf dem Mobiltelefon an: „Ich bin auf dem Anflug. Wo muss ich hin?“ – „Berlin!“, ruft Herr Bottrop in den Raum. – „Hier ins Studio!“, ruft Don Lotzo. – „Big Snuff Studio!“, präzisiert Metal Warrior von hinter der Trommel.

BD REC 2

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Konzentration. Sammlung. Zen. Rauschen über die Kopfhörer. – „Hey Guys! Are you ready to do the recordings?“, Nene (one of the most patient guys on the whole wide world) asks patiently. Die DISKRETIS können seine Stimme nur über Kopfhörer hören, denn er sitzt in His Masters Room, weit weg von dem Aufnahmeraum mit den schwarz gedämmten Wänden. – ?? – „Just wait a second! My guitar is out of tune!“ (Asphalt Tiger) – „Ready??“ – „Yesss!“ – Nene: „Sound is rolling!“ – Metal Warrior zählt mit seinen unzerstörbaren Schlagzeugstöcken aus dem Redwoodmammutbaum an, und dann geben die Jungs von BERLIN DISKRET alles, was sie sich in den letzten Monaten Proberaumklausur raufgeschafft haben: pure Energie! Dann: die Stille nach dem Song. – … – „You guys think that‘s okay?“ (sceptical voice over the headphone) – „Yessss!“ – „Okay! Next song!“

BD RED 3

In Nullkommanichts sind alle Tracks im Kasten. Jetzt ist Schmelzi Käsefaust mit Einsingen an der Reihe. Ring Ring, Telefon: „Schmelzi!?“ – Doch da stolpert Käsefaust auch schon atemlos ins Studio, wirft seine Reisetasche in die Ecke, krallt sich das Mikro, und auf einen Rutsch, ohne ein einziges Mal Luft zu holen, singt er alle Songs ein. It‘s magic! – „Are you fine with the vocals?“ – „Yesss!“

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Nächster Tag. Asphalt Tiger (not a Morning Guy) muss früh aufstehen, um seine Gitarren-Soloparts einzuspielen. Er nimmt eine Kanne extra starken Kaffee mit, die Frühstücksstulle kaut er auf dem Weg ins Studio. It‘s a Rock‘n‘Roll-Work-a-day-World. Im Recordingroom angekommen, hört er über dicke Kopfhörer das Rauschen in seinen Ohren. – „Can we start?“ (Nenes voice over the headphones) – „Yes! No! Again!“ Asphalt Tigers Nerven sind gespannt wie Drahtseile, doch irgendwann ist alles im Kasten: „First take, best take!“ – Nach und nach kommen die anderen DISKRETIS ins Studio und stehen bald einer nach dem andern vor dem Mikro mit dem schwarzen Ploppschutz.

Au weia! Schmelzi Käsefaust krächzt und schaut erschrocken in die Runde. Was hilft am besten gegen Heiserkeit? „Ingwer!“, weiß The Artist formerly known as Metal Warrior. „Honig!“, schwört Don Lotzo. „Kamillentee, sagt Udo Jürgens“, zweifelt Asphalt Tiger. „Ne Kippe und n Bier!“, verordnet sich Schmelzi Käsefaust und verschwindet im Aufnahmeraum.

Time keeps on slipping, slipping, slipping, into the future. Lotze ist dran. „I had to turn your volume down for 25 dB! Didn‘t know in the beginning that you would be shouting so loud!“ Don Lotzo hebt die Augenbrauen, als er vom Einsingen zurück kommt. Asphalt Tiger staunt: Nicht schlecht, Herr Specht! 25 Dezibel, das ist der Lautstärkeunterschied zwischen einem gesunden Mischwald und der Startbahn West! Don Lotzo feixt: „Zurück zum Beton!“ – Jetzt ist Metal Warrior am Mikro und flüstert satanische Botschaften hinein. Die Jungs am Mischpult erschrecken. – Zum Schluss Asphalt Tiger. Don Lotzo lobt: „Wow! The Voice of Germany!“ (Oder meint er The Worst of Germany ??) – Zwischendurch meldet sich Herr Bottrop übers Telefon, Kontrollanruf: „Alles okay bei euch?“ – „Yessss!“ Auch die Overdubs sind nun im Kasten.

BD REC 1

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Dritter Tag. Rough Mix. Herr Bottrop, der Auswärtsgitarrist, hat eine lange Mail geschickt, was alles an seiner Gitarrenspur ausgebessert werden muss: delete bad note, copy and paste good note, and so on. Bottrop ist Digital Punk 4.0. Nene schiebt unermüdlich Gitarren- und Gesangsspuren auf dem Bildschirm hin und her, während die Jungs von BERLIN DISKRET, längst erschöpft, in der Chilloutwüste Handynet Erholung suchen. Die B.Z.-Story von den Berliner G20-Cops, die von den Hamburger Cops wegen „Sex, Suff, Randale“ nach Hause geschickt werden, bevor sie überhaupt wie gewohnt richtig losprügeln können, ist richtig geil! Die DISKRETIS kichern, was das Zeug hält.

„Hey Guys!“ Nene ermahnt die DISKRETIS zu mehr Konzentration: „Listen!“ Die Jungs von BERLIN DISKRET reißen sich zusammen und lauschen gebannt. Nene zaubert am Mischpult und lässt den Sternenstaub auf den Tonspuren glitzern. Die Jungs folgen jeder Handbewegung, jedem Schieben der Regler und Drehen der Knöpfchen: „It‘s magic!

*

„So, now everything is perfect!“ Nene ist zufrieden. „Can you please type the title of the song?“ Asphalt Tiger tippt in den Musikcomputer: „W-o-c-h-e-n-e-n-d-l-i-e-b-e.“ – „What the hag does THAT mean??“ Nene schaut erschrocken. – „It means“, versucht Don Lotze die Geheimnisse seiner Sprache zu erklären: „Weak and Laugh. German is a very strange language! ‚Kch, Kch, Kch‘: Like Arab, you know!?“

Endlich: Alle Tracks sind fertig! „It‘s Cocaine for the ears!“, schwärmt Schmelzi Käsefaust, lacht und zeigt auf sein Ohr. – „It‘s miraculous!“ Don Lotzo hält beide Daumen hoch. – „One of the most fascinating records on this planet!“ – Doch Schmelzi Käsefausts Forscherinstinkt wittert, dass aus den geheimnisvollen Musikmaschinen in Nenes Studio noch mehr herauszuholen ist: „Was passiert eigentlich, wenn man hier auf den roten Knopf drückt?“

roter knopf

Entsetzen zeichnet sich auf den Gesichtern ab: „Nicht! Schmelzi! Nicht drücken!“ — „Hey Guy! Don‘t press the button! Don‘t do that! Pleeease!!“ — „Schmelzii!“ — „Bitteee!“ — „Niiiichchchcht!“

Wird er es getan haben? Werden die andern DISKRETIS es geschafft haben, ihren Sänger davon abzuhalten? Wird Nene, the most patient Recording Engineer in the whole wide world, ihm ins Gewissen geredet haben können?

Ihr werdet es herausfinden – in wenigen Monaten, beim Plattenhändler eures Vertrauens.

29.4. Konzert im AGH / Köpi

Die Jungs von BERLIN DISKRET proben im Proberaum. Knochen knacken, Knorpel knarzen, Gelenke ächzen: Ganz schön eingerostet über den Winter.

„Jungs! Da hilft nur eins!“ Herr Bottrop hat eine Idee und strahlt übers ganze Gesicht: „Frühsport! Bis zu unserem Konzert am 29. April in der KÖPI (AGH) müssen wir wieder fit sein!“ – Die Jungs von BERLIN DISKRET schauen ihn überrascht an. – „Jeden Morgen Punkt sieben Uhr dreißig treffen wir uns im Park: Frühsport! Zehn Runden rund um den See!“

Am nächsten Morgen sind alle pünktlich da: Der neue Sänger Schmelzi Käsefaust, Herr Bottrop (1. Gitarrist), Don Lotzo (Bassist), The Artist formerly known as Metal Warrior (on Drums) und Asphalt Tiger (second guitar). Herr Bottrop hat eine hellblaue Turnhose mit einer weißen 1 drauf an, und auch auf seinem gelben Teehemd ist hinten eine große 1 drauf zu sehen. Er macht einige Aufwärmübungen und klatscht überm Kopf in die Hände: „Auf die Plätze – fertig – los!“

„Fang schon mal alleine an, wir müssen erst noch unsere Schuhe binden!“, schlägt Asphalt Tiger vor. Schmelzi Käsefaust lässt sich ächzend auf die nächste Parkbank fallen: „Erster.“ Dann sehen die Jungs nur noch die Staubrückstände von ihrem ersten Gitarristen, der abgeht wie Speedy Gonzales (Ariba!).

Herr Bottrop im Sprint: Einatmen – Ausatmen – Einatmen – Ausatmen.

„Nanu! Ihr sitzt ja immer noch da! Dalli Dalli, sonst wird das nichts mit dem KÖPI-Konzert!“ Herr Bottrop hat seine erste Runde schon absolviert und tänzelt schwitzend auf der Stelle. The Artist formerly known as Metal Warrior hebelt mit seinem Schlagzeugstock die erste Flasche seines isotonisches Getränk auf und nimmt einen tiefen Schluck. „Der Junge muss sich doch erst mal stärken, bevor es losgeht“, wirbt Don Lotzo um Verständnis: „Ein Strich in der Landschaft! Wenn er ohne Stärkung losrennt, besteht Gefahr, dass er im Park ohne Spur jede verschwindet!“

Das leuchtet ein. Herr Bottrop nimmt die zweite Runde in Angriff. Don Lotzo lehnt lässig am nächsten Stromkasten – sein Kassettenrekorder läuft volle Pulle – und pöbelt die erste Oma an, die auf ihrem Skateboard vorbeikommt. Danach verjagt er die Enten, die wissen wollen, was hier in aller Herrgottsfrühe hier los ist. Herr Bottrop, nach der zweiten Runde wieder einlaufend, treibt ihn an: „Hopp hopp, Don Lotzo! Worauf wartest du noch: Sprint!“ Er erntet einen finsteren Blick. Sänger Schmelzi Käsefaust erklärt ihm das Fitnessprogramm ihres Bassisten: „Fäuste ballen stärkt Oberarme! Nächste Woche hat Lotze Mucki wie Meister Proper!“

„Na gut! Wir werden sehen!“ Mit unverwüstlichem Optimismus startet Herr Bottrop die dritte Runde rund um den See. Eine Ente stürzt sich in die Fluten, eine zweite tut‘s ihr nach.

Oh nein, jetzt ist er schon wieder zurück!!!

„Ihr sitzt ja immer noch da!“ Bottrop trippelt auf der Stelle: „Los, los! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Sport gesund ist!“ – Asphalt Tiger wirft einen verbogenen Löffel auf den Gehweg, wo schon einige liegen: „Die Wissenschaft stellt sich unter Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise genauso in den Dienst der Zurichtung des Menschen wie die Religion. Sportwissenschaft? Fitnesskult? – Oh no! Allein Magie bietet Aussicht auf Glück ohne Anstrengung! Mein Workout-Programm optimiert die Kraft der Gedanken. Ich sag nur: Uri Geller!“ Asphalt Tiger kneift die Augen zusammen und fixiert den nächsten Löffel. Herr Bottrop stolpert kopfschüttelnd davon: vierte Runde!

Die Sonne steigt höher. Die Jungs hören Herrn Bottrops Stoßatem schon von weitem – gleich hat er die nächste Runde hinter sich gebracht.

„Wo ist eigentlich Schmelzi Käsefaust?“ Herr Bottrop guckt fragend in die Runde. — „Der ist zur nächsten Tankstelle. Seine Stimmbandgymnastik kann er nur beginnen, wenn er das richtige Stimmbandöl zur Stimmbandpflege hat. Wenn die Stimmbänder warm sind, müssen sie sofort geölt werden! Das verbessert die Effizienz seiner Performance nachhaltig und ermöglicht Höchstleistungen. Schmelzi Käsefaust bemüht sich gerade um Outputoptimierung seiner Vocals bei minimalem Kostenbudget der Inputfaktoren!“, erklärt The Artist formerly known as Metal Warrior fachmännisch.

„Ich wette“, ringt der japsende Herr Bottrop sich die Worte ab, „sein Stimmbandöl fängt mit ‚ST‘ an und endet auf …“ – „ERNIE!“, prusten die Jungs von BERLIN DISKRET los: cooler Joke!

Herr Bottrop lässt die Arme sinken: „Jungs. So wird das nie was!“

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Werden die Fünf von BERLIN DISKRET es schaffen, ihren Auftritt im AGH der KÖPI mit Anstand und Bravour zu absolvieren?

Seid live dabei! Es wird spannend!

Samstag, 29. April

in der KÖPI / AGH

mit Nowhiterag (ProtestPunkrock, Modena), Dis Disaster (D.I.Y. Metal Punk, Tel Aviv / Berlin) und Dekast(a) (Disbeat, Czechia)