29.4. Konzert im AGH / Köpi

Die Jungs von BERLIN DISKRET proben im Proberaum. Knochen knacken, Knorpel knarzen, Gelenke ächzen: Ganz schön eingerostet über den Winter.

„Jungs! Da hilft nur eins!“ Herr Bottrop hat eine Idee und strahlt übers ganze Gesicht: „Frühsport! Bis zu unserem Konzert am 29. April in der KÖPI (AGH) müssen wir wieder fit sein!“ – Die Jungs von BERLIN DISKRET schauen ihn überrascht an. – „Jeden Morgen Punkt sieben Uhr dreißig treffen wir uns im Park: Frühsport! Zehn Runden rund um den See!“

Am nächsten Morgen sind alle pünktlich da: Der neue Sänger Schmelzi Käsefaust, Herr Bottrop (1. Gitarrist), Don Lotzo (Bassist), The Artist formerly known as Metal Warrior (on Drums) und Asphalt Tiger (second guitar). Herr Bottrop hat eine hellblaue Turnhose mit einer weißen 1 drauf an, und auch auf seinem gelben Teehemd ist hinten eine große 1 drauf zu sehen. Er macht einige Aufwärmübungen und klatscht überm Kopf in die Hände: „Auf die Plätze – fertig – los!“

„Fang schon mal alleine an, wir müssen erst noch unsere Schuhe binden!“, schlägt Asphalt Tiger vor. Schmelzi Käsefaust lässt sich ächzend auf die nächste Parkbank fallen: „Erster.“ Dann sehen die Jungs nur noch die Staubrückstände von ihrem ersten Gitarristen, der abgeht wie Speedy Gonzales (Ariba!).

Herr Bottrop im Sprint: Einatmen – Ausatmen – Einatmen – Ausatmen.

„Nanu! Ihr sitzt ja immer noch da! Dalli Dalli, sonst wird das nichts mit dem KÖPI-Konzert!“ Herr Bottrop hat seine erste Runde schon absolviert und tänzelt schwitzend auf der Stelle. The Artist formerly known as Metal Warrior hebelt mit seinem Schlagzeugstock die erste Flasche seines isotonisches Getränk auf und nimmt einen tiefen Schluck. „Der Junge muss sich doch erst mal stärken, bevor es losgeht“, wirbt Don Lotzo um Verständnis: „Ein Strich in der Landschaft! Wenn er ohne Stärkung losrennt, besteht Gefahr, dass er im Park ohne Spur jede verschwindet!“

Das leuchtet ein. Herr Bottrop nimmt die zweite Runde in Angriff. Don Lotzo lehnt lässig am nächsten Stromkasten – sein Kassettenrekorder läuft volle Pulle – und pöbelt die erste Oma an, die auf ihrem Skateboard vorbeikommt. Danach verjagt er die Enten, die wissen wollen, was hier in aller Herrgottsfrühe hier los ist. Herr Bottrop, nach der zweiten Runde wieder einlaufend, treibt ihn an: „Hopp hopp, Don Lotzo! Worauf wartest du noch: Sprint!“ Er erntet einen finsteren Blick. Sänger Schmelzi Käsefaust erklärt ihm das Fitnessprogramm ihres Bassisten: „Fäuste ballen stärkt Oberarme! Nächste Woche hat Lotze Mucki wie Meister Proper!“

„Na gut! Wir werden sehen!“ Mit unverwüstlichem Optimismus startet Herr Bottrop die dritte Runde rund um den See. Eine Ente stürzt sich in die Fluten, eine zweite tut‘s ihr nach.

Oh nein, jetzt ist er schon wieder zurück!!!

„Ihr sitzt ja immer noch da!“ Bottrop trippelt auf der Stelle: „Los, los! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Sport gesund ist!“ – Asphalt Tiger wirft einen verbogenen Löffel auf den Gehweg, wo schon einige liegen: „Die Wissenschaft stellt sich unter Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise genauso in den Dienst der Zurichtung des Menschen wie die Religion. Sportwissenschaft? Fitnesskult? – Oh no! Allein Magie bietet Aussicht auf Glück ohne Anstrengung! Mein Workout-Programm optimiert die Kraft der Gedanken. Ich sag nur: Uri Geller!“ Asphalt Tiger kneift die Augen zusammen und fixiert den nächsten Löffel. Herr Bottrop stolpert kopfschüttelnd davon: vierte Runde!

Die Sonne steigt höher. Die Jungs hören Herrn Bottrops Stoßatem schon von weitem – gleich hat er die nächste Runde hinter sich gebracht.

„Wo ist eigentlich Schmelzi Käsefaust?“ Herr Bottrop guckt fragend in die Runde. — „Der ist zur nächsten Tankstelle. Seine Stimmbandgymnastik kann er nur beginnen, wenn er das richtige Stimmbandöl zur Stimmbandpflege hat. Wenn die Stimmbänder warm sind, müssen sie sofort geölt werden! Das verbessert die Effizienz seiner Performance nachhaltig und ermöglicht Höchstleistungen. Schmelzi Käsefaust bemüht sich gerade um Outputoptimierung seiner Vocals bei minimalem Kostenbudget der Inputfaktoren!“, erklärt The Artist formerly known as Metal Warrior fachmännisch.

„Ich wette“, ringt der japsende Herr Bottrop sich die Worte ab, „sein Stimmbandöl fängt mit ‚ST‘ an und endet auf …“ – „ERNIE!“, prusten die Jungs von BERLIN DISKRET los: cooler Joke!

Herr Bottrop lässt die Arme sinken: „Jungs. So wird das nie was!“

*

Werden die Fünf von BERLIN DISKRET es schaffen, ihren Auftritt im AGH der KÖPI mit Anstand und Bravour zu absolvieren?

Seid live dabei! Es wird spannend!

Samstag, 29. April

in der KÖPI / AGH

mit Nowhiterag (ProtestPunkrock, Modena), Dis Disaster (D.I.Y. Metal Punk, Tel Aviv / Berlin) und Dekast(a) (Disbeat, Czechia)

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